Librairie du Baobab – Autogrammstunde mit Martina Chyba

Ein witziger und schriller Roman, der tiefgründige Themen behandelt.

Was wäre, wenn Kunst uns (wieder) Kraft, Mut, Zuversicht und Lust geben könnte? Immer mehr Therapeuten raten depressiven, trauernden oder zerbrochenen Menschen, neue Kraft zu schöpfen, indem sie sich ein Gemälde ansehen, das manchmal Jahrhunderte und Kontinente überdauert hat und eine befreiende Botschaft zu vermitteln hat.

Das Leben geht weiter und man findet sich mit 50 Jahren wieder, oft frisch geschieden und leider nicht mehr ganz frisch auf dem undankbaren Markt der Verführung. In diesem Moment kann man über die Ungerechtigkeit der Zeit stöhnen, über die männlichen Schweine, die in die Krise geraten, ihr Leben zerstören wie ein Legobauwerk und es nicht mehr aufbauen können, über die Undankbarkeit der jungen Leute, die uns bei der Arbeit als alte Säcke mit unserem geregelten Büroleben “in Anwesenheit”, wie es jetzt heißt, betrachten, während sie mobil, anspruchsvoll, online, flüchtig, egozentrisch, selbstbewusst käuflich sind, all das, was wir immer davon geträumt haben, zu sein, ohne es je zu wagen, es einzufordern, wir können über unsere alten Eltern jammern, die eine Platinrente bekommen haben, von der wir nie profitieren werden, und die den schlechten Geschmack haben, hyperlang zu leben, bevor sie uns erschüttern, wenn sie sterben, weil sie unsere Eltern sind und wir nach ihnen diejenigen sind, die am Rande des Abgrunds stehen, Wir können über unsere wunderbaren Kinder schimpfen, die zwangsläufig wunderbar sind, aber bei denen wir in Panik geraten, weil wir uns sagen, dass sie weder Arbeit noch Wohnung finden werden und dass sie an uns und ihr Handy gebunden bleiben werden, ad vitam aeternam an das Haus gefesselt, um sich vor der Außenwelt zu schützen. Ja, man kann sich über all das beschweren, und ich tue das auch regelmäßig, denn es macht Spaß, sich zu beschweren, auch wenn es zu nichts führt.

Aber die Realität ist, dass wir uns immer noch bewegen. Und zwar für eine Weile. Es ist also nicht so, als gäbe es eine Wahl, wir müssen weitermachen. Um diesen zweiten Teil meines Lebens erfolgreich zu gestalten, habe ich nicht gezögert, mir Hilfe zu suchen und “jemanden zu treffen”, wie man so schön sagt. Es gibt Lebenscoaches, Glücksforscher aller Art, solche, die Jesus, Buddha, Freud, den Dalai Lama oder einen Vortrag von Michelle Obama gesehen haben, solche, die Ihnen erklären, wie Sie sich verhalten, sich neu zentrieren, sich selbst entdecken, sich organisieren, sich kleiden, sich lockerer machen etc. Und neben all dem gibt es noch meinen eigenen Psychiater. Wie alle anderen verschreibt auch er natürlich Medikamente. Aber keine Antidepressiva, keine angstlösenden Mittel, keine Schlaftabletten, keine beruhigenden Kräutertees. Er verschreibt nur Kunstwerke.